MBI Energy 4.0: Prozesseffizienz durch digitale Technologien

by | Nov 6, 2018 | Finanzieren, Medien

Gastbeitrag von Finanzierungsexperte Georg Habighorst

Die Finanzierung von Investitionsmaßnahmen gestaltet sich für viele kommunale Stadtwerke zunehmend schwieriger. Banken prüfen die öffentlich-rechtlichen Kreditnehmer inzwischen deutlich akribischer. Das gesamte Kapitalbeschaffungsverfahren wird dadurch komplexer und zeitaufwendiger. Internet-basierte Kreditplattformen, auf denen sich das Verfahren der Darlehensaufnahme und -vergabe komplett digital abbilden lässt, gewinnen an Bedeutung. Im Folgenden lesen Sie einen Gastbeitrag von Georg Habighorst von Loanboox Deutschland. Das Start-up Loanboox will die Kommunalfinanzierung weitgehend digitalisieren:

Insbesondere die Energiewende hat zu neuen Anforderungen an die Stadtwerke geführt. Abhängig von ihrer Umsatzgröße investieren diese rund 900 Unternehmen in den kommenden Jahren zwischen rund 10 Millionen Euro bis über 300 Millionen Euro in erneuerbare Energien, den dezentralen Netzausbau und die kommunale Infrastruktur.

Während kleinere Investitionen häufig noch problemlos aus Eigenkapital geleistet werden können, müssen große Investitionen in der Regel zu weiten Teilen fremdfinanziert werden. Das wichtigste Instrument der Fremdfinanzierung sind nach wie vor Bankdarlehen. Diese aufzunehmen wird für Stadtwerke allerdings zunehmend komplizierter. Ein Grund für diese Entwicklung sind schwächere Finanzkennzahlen vieler Kommunalversorger, die aus sinkenden Ergebniserträgen in den aktuell wichtigsten Vertriebsbereichen Gas und Strom resultieren. Demgegenüber steht auf der Bankenseite eine veränderte Regulierung.

Die unter dem Titel Basel III in Kraft getretenen strengeren Kapitalvorschriften, die den Banken eine höhere Eigenkapitalbasis und bessere Liquiditätsausstattung zur Sicherung und Stabilisierung des Finanzmarktsystems vorschreiben, haben signifikanten Einfluss auf die Bonitätsanforderungen, die Finanzierungsstruktur und letztlich auch die Kreditmarge.

Die stärkere Regulierung trifft somit auch das kommunale Versorgungsumfeld und führt zu veränderten, umfangreicheren Kreditprüfungsprozessen. So sind die Anforderungen an die erforderliche lnformationsbereitstellung signifikant gestiegen. Stadtwerke müssen den potenziellen Kreditgebern deutlich mehr und tiefergehende Unterlagen bereitstellen. Sowohl bei Unternehmens- als auch Projektfinanzierungen fordern die Banken zum Beispiel inzwischen detaillierte Mehrjahresplanungsrechnungen von den Unternehmen, um die Kreditprüfung sachgerecht und vollinhaltlich abwickeln zu können.

Investitionen in Wärmemarkt positiver eingeschätzt

Auch wird mittlerweile sehr genau unterschieden, in welche Bereiche investiert wird. Deutlich positiver werden etwa Investitionen eingeschätzt, bei denen die Wirtschaftlichkeit der Projekte nicht vom Strommarkt abhängt, sondern zum Beispiel vom Wärmemarkt bzw. der Wasser- ent- oder -versorgung. Unternehmenszahlen, Projektkosten und Projekterfolg sind anhand entsprechender Nachweise zu dokumentieren. Diese werden zumeist per Post oder E-Mail eingereicht. So nimmt es erhebliche Zeit in Anspruch, bis alle Unterlagen zur Entscheidungsfindung dem Kreditgeber vorliegen.

Danach erfolgt die Bearbeitung, Analyse und Bewertung der Dokumente. Ein weitestgehend analoger Prozess, der für manchen Anbieter an den Grenzen der Wirtschaftlichkeit liegt. Dabei lassen sich einzelne Schritte des Verfahrens der Kreditaufnahme und -vergabe inzwischen komplett digital abbilden. So können Stadtwerke und Banken über technisch ausgefeilte Online-Plattformen – die größtenteils von unabhängigen Fintechs wie zum Beispiel dem Unternehmen Loanboox betrieben werden – eine hohe Prozesseffizienz generieren und ihren eigenen Bearbeitungsaufwand signifikant reduzieren.

Kreditgesuche von Stadtwerken werden auf derartigen Portalen transparent gemeinsam mit den für eine Beurteilung einer Finanzierungsanfrage notwendigen Unterlagen vorgehalten. Das sind beispielsweise die Kerndaten des Unternehmens, aktuelle Geschäftszahlen und Angaben zu dem Finanzierungszweck und dessen Wirtschaftlichkeit. Investoren sind auf diese Weise in der Lage, mit wenig Aufwand eine Vorprüfung durchzuführen, um zu entscheiden, ob das Stadtwerk oder der Finanzierungszweck den eigenen Statuten entspricht. Hierbei ist hilfreich, dass die Plattform in Zusammenarbeit mit den Finanziers entwickelt wurde. Die von den Banken geforderten wesentlichen Parameter für eine Ersteinschätzung werden so dargestellt, dass Banken gezielt nach dem eigenen Finanzierungsappetit – regional, Volumen, Zweck, gewünschte Laufzeiten und Strukturen – differenzieren können.

Im zweiten Schritt lassen sich dann die für die Kreditprüfung erforderlichen, auf der Plattform vorgehaltenen Informationen für die eigene Kreditbearbeitung herunterladen. Die Plattform agiert als Vermittler zwischen den Kreditnehmern und den Banken, die so ihre Kundenbasis stärken und Neukunden akquirieren können. Während die klassische Akquise aufwendig und dementsprechend teuer ist, wird der Kontakt zum potenziellen Kunden über Plattformen fast frei Haus geliefert.

Davon profitieren die Stadtwerke als Kreditnehmer. Indem zum Beispiel Banken ohne eigenen oder nur regionalen Vertrieb durch den reduzierten Aufwand ein Zugang zu dieser Assetklasse ermöglich wird, verbreitert sich der Kreis an potenziellen Investoren.

So kann bei Fremdfinanzierungsbedarf eine grössere Anzahl von Finanzierungsinstituten angefragt werden. Hinzu kommt, dass auf derartigen Online-Kreditplattformen neben Banken ebenso institutionelle Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen angeschlossen sind, die an langfristigen Engagements und hohen Anfragevolumina interessiert sind und aus Risikogründen gerne in Themen wie Energie, Infrastruktur und Grundversorgung investieren.

 

Quelle: MBI Energy

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