Schweizer Städte und Gemeinden sind in einer herausfordernden Situation: Weniger Planungssicherheit bei den Steuereinnahmen und Kosten durch Langzeitfolgen der Corona-Krise und dazu auch noch sinkende Limiten für Freibeträge auf ihren Sparkonten bei den Banken. Die gute Nachricht: Die Geldaufnahme ist für Schweizer Gemeinden und Städte nach wie vor sehr attraktiv – durch Negativzinsen bei kurzen Laufzeiten verdienten sie alleine über die Fremdkapital-Plattform Loanboox in den letzten vier Jahren 23.2 Millionen Franken. Das entspricht den Kosten für die obligatorische Schulzeit von 1’081 Schüler:innen.   

Schweizer Städte und Gemeinden kämpfen zurzeit an verschiedenen Fronten gegen die Auswirkungen der Corona-Krise. Kurzfristig ist vor allem die Einschätzung der Steuererträge eine Herausforderung. Langfristig wird sich das auch in ihren Finanzen widerspiegeln. Dies bestätigt eine kürzlich erschienene Umfrage des Schweizerischen Städteverbands und PwC. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Banken die Limiten für Freibeträge von Spareinlagen gesenkt haben. Die Konsequenz: Gemeinden haben weniger Spielraum und müssen ihre Liquidität enger planen, um Kosten zu vermeiden. Vorbei also die Zeiten, in denen Gemeinden fürs Geld auf die Seite legen noch mit Zinsen belohnt wurden.  

Doch es gibt auch Lichtblicke

Seit der Einführung der Negativzinsen sind die durchschnittlichen Zinskosten für Gemeinden und Städte merklich gesunken. Dies bestätigt eine Umfrage der Hochschule Luzern bei 238 Gemeinden. Für Kredite mit Laufzeiten bis zu drei Jahren sind Negativzinsen sogar zurzeit die Norm. Gemeinden verdienen also Geld an der Aufnahme von Krediten.  

Loanboox, die führende Fremdkapitalmarkt-Plattform für öffentlich-rechtliche Körperschaften, Grossunternehmen, institutionelle Anleger und Banken, wollte wissen, wie viel Geld öffentlich-rechtliche Institutionen – und damit der Steuerzahler  dank der aktuellen Zinslage verdienen.

Ihre Daten zeigen: Seit Go-Live vor 4 Jahren haben Schweizer Gemeinden, Städte und Kantone alleine über Loanboox 23.2 Millionen Franken eingenommen. Das entspricht beispielsweise den Kosten für die obligatorische Schulzeit von 1’081 Schüler:innen oder den jährlichen Gemeinde- und Kantons-Ausgaben für die ÖV-Infrastruktur von 65’000 Personen. 

Einnahmen dank Negativzinsen

Welche Kantone konnten bisher am meisten profitieren?
Am meisten verdienten bisher Gemeinden aus dem Kanton Zürich: 4.2 Millionen Franken. Der Kanton Bern folgt dicht dahinter mit 3.9 Millionen
Aber Verschuldung nur um der Negativzinsen willen sind eine schlechte Idee.
 «Natürlich sind die attraktiven Zinskonditionen zur Zeit von Vorteil. Nichts desto trotz gehen wir – wie auch die anderen Schweizer Gemeinden – natürlich sehr vorsichtig mit unseren Finanzen um. Denn ein Kredit ist ja auch immer mit dem Versprechen einer Rückzahlung verbunden.» so Marc Riesen, Leiter Steuern und Inkasso Stadtbuchhaltung der Stadt Thun.