Wer sind die bevorzugten Finanzierungspartner von Schweizer Gemeinden? Und warum werden Online-Plattformen auch für Investoren immer interessanter? Im zweiten Teil unserer Blogreihe gehen wir auf diese Aspekte genauer ein und lassen Wirtschaftswissenschaftler Prof. Christoph Lengwiler dazu zu Wort kommen.

Seit 2003 untersucht die Hochschule Luzern-Wirtschaft in regelmässigen Abständen die Finanzierungs-Struktur mittelgrosser Gemeinden in der Schweiz – zuletzt 2019. In der Studie, die in diesem Sommer veröffentlicht wurde, kommt sie zu dem Schluss, dass sich der Markt in den vergangenen Jahren deutlich verändert hat.

Wer mit wem?

Vor allem im Hinblick auf die Finanzierungspartner herrscht Bewegung. Mit 51.3 Prozent am erfassten Kreditvolumen sind Banken zwar immer noch der wichtigste Partner der Gemeinden, jedoch liegt der Marktanteil um fast 11 Prozent niedriger als in der Studie von 2016. Im Gegenzug scheinen Pensionskassen zu einem immer attraktiveren Finanzierungspartner zu werden: Sie verzeichnen ein Plus von gut 10 Prozent. Fast die Hälfte des Kreditvolumens wird damit nicht mehr von Banken finanziert.

Aber auch innerhalb der Banken hat sich die Gewichtung verschoben. So haben PostFinance und Raiffeisenbanken ihre Position im Markt im Vergleich zur vorangegangenen Studie gehalten, Kantonalbanken und auch die übrigen Banken (UBS, CS, etc.) verzeichneten per Ende 2019 jedoch tiefere Marktanteile. Ähnliches gilt für Versicherungen, sie haben sich in den letzten Jahren fast ganz aus dem Markt zurückgezogen. Offensichtlich sind die bonitätsmässig zwar hoch eingeschätzten Gemeindefinanzierungen wegen der tiefen Margen nicht attraktiv genug.

Vermittlungsplattformen werden häufiger genutzt

Und wie sieht es mit Alternativen zur klassischen Kreditvermittlung über den Hausbankberater aus? Laut der Studie arbeitet inzwischen über die Hälfte der befragten Gemeinden (60%) mit Dienstleistern wie Kredit-Vermittlungsplattformen oder Broker zusammen. 2016 waren es nur etwas über 41 Prozent. Doch nicht nur für Kreditnehmer sind die Plattformen attraktiv, sagt Studienleiter Prof. Dr. Christoph Lengwiler, auch für potentielle Investoren.

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Qualität vor Quantität

Den kommunalen Finanzchefs scheint dabei eine gewisse Konstanz wichtig zu sein: Die Anzahl der Broker und Plattformen, die die Gemeinden nutzen, ging im Vergleich zur letzten Studie zurück. Das zeugt von einer Konzentration auf bestimmte Dienstleister. Im Ranking, welche Dienstleister die Gemeinden für ihre Kreditanfragen nutzen, belegt Loanboox nach nur drei Jahren im Markt mit 33% Platz zwei.

Details zur Studie und zu den Teilnehmenden

Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern – Wirtschaft hat 2003 unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Lengwiler erstmals den Finanzierungsmarkt bei mittelgrossen Gemeinden in der Schweiz sondiert. Sechs mal wurde die Studie seitdem durchgeführt – zuletzt per Ende 2019. Im Fokus stehen dabei Gemeinden mit 4.000 bis 30.000 Einwohnern. Angefragt wurden in der jüngsten Studie insgesamt 470 Gemeinden, 238 stellten ihre Daten zur Verfügung – das entspricht knapp elf Prozent aller Gemeinden in der Schweiz. Mit einer Teilnehmerquote von 50.6% kann die Erhebung als weitgehend repräsentativ bewertet werden. Erstmals wurde auch die Westschweiz miteinbezogen, das schlägt sich beim Kreditvolumen mit einem Plus von fast 30% im Vergleich zur Studie von 2016 nieder.

Lesen Sie auch Teil 1 der Blogreihe zur Gemeindefinanzierung in der Schweiz.